Wie die Geschichte von Justina Tubbe zustande kam

 

Vom Großvater meines Vaters - also meinem Urgroßvater  Klaetsch - wusste ich, dass er als 12. Kind eines Dorfschmieds bei Landsberg geboren worden war , in Prenzlau die Marie Förster geheiratet hatte, und daß er seine Tage mit dem Erhalt des ‘Kronenordens Vierter Klasse’ als Oberlazarettinspektor in Potsdam beendete. Marie soll recht stolz darauf gewesen sein - sie hat es meinem Vater immer wieder erzählt. Diese Urgroßmutter Marie war die Tochter des Optikermeisters Rudolf Förster in Prenzlau gewesen - 10ooo Goldmark soll sie als Aussteuer erhalten haben !

Aber damit endete leider mein Wissen über diesen Familienzweig. 

 

Als unsere Tante starb, fand meine Schwester zwischen Gerümpel ein Bleistiftmanuskript einer Rede zu einem Jubelfest :  Marie und Hermann Klaetsch hatten 1885 ihre Silberhochzeit gemeinsam mit ihren Eltern gefeiert hatte - die begingen zugleich ihre Goldene Hochzeit.

„Unser Jubelbräutigam Rudolf Förster“, entzifferten wir, „ist in Liegnitz geboren, und musste nach dem Tod der Eltern das Gymnasium verlassen......Die Jubelbraut Wilhelmine als eine geborene TUBBE ist das Bild einer tugendsamen Hausfrau !“ hieß es darin. „Sie ist 1814 in Oderberg geboren, die Eltern starben früh und sie kam zu Verwandten in Pflege, wo sie eine strenge, ach, allzu strenge Erziehung genoss... in Berlin war sie in Stellung bei den besten Familien wie dem Herrn Minister von Massow, lernte dort den Gürtlergesellen Rudolf Förster kennen, der als fescher Sonntagsreiter vor ihrem Fenster Parade ritt.... sie heirateten in der Nikolaikirche und kauften sich alsbald - durch beidseitiges Vermögen in den Stand gesetzt - ein Haus am Markt von Prenzlau, wo der Jubelbräutigam vor nunmehr 50 Jahren seine Bürgerrechte nahm....“

 

Oderberg  ? - keine Ahnung wo das ist ! Im Osten irgendwo hinter der Mauer . Unerreichbar.

Aber gleich nach dem Fall der Grenze fingen wir an, das Land meiner Vorfahren mit dem Wohnmobil zwischen  Stralsund und Annaberg zu erkunden: Potsdam - Pretzsch- Freiburg - Halle, meine Geburtsstadt, Prenzlau....

Als wir 1995 von dort nach Süden fuhren, stand da plötzlich ein Schild :

Oderberg 20 km !

Also beschlossen wir : fahren wir doch einfach mal hin. Wir kamen in ein kleines Städtchen, das einstmals sehr hübsch gewesen war. Aber nun nach 40 Jahren DDR bröckelte nicht nur der Putz - viele der alten Häuser zerfielen und waren verwahrlost..

Wir klingelten am Kirchenbüro, um nach den alten Kirchenbüchern zu fragen und hatten das große Glück auf Pastor Knut zu treffen, hilfsbereit und freundlich. Er rief gleich seine Kraft Frau Brenger an, die die Kirchenbücher nach der Wende vom Boden geholt und restauriert hatte Gleich auf den ersten Blick sahen wir ganz viele TUBBEs - das würde dauern. "Gleich morgen früh können Sie anfangen" - wir standen um 7 vor der Tür.

Um 9 zur Frühstückspause kam Frau Brenger rüber und sagte : " Hier hab ich einen Brief, den vor 2 Jahren ein Mister TUBBE aus Amerika geschrieben hat. Er sucht nach seinem Urgroßvater AUGUST TUBBE- ich hab ihm eine Liste geschickt"

Donnerwetter, das war nun doppelt spannend. Ob wir verwandt sind ?

Bald hatten wir es raus : Jawohl, meine Vorfahrin, die Wilhelmine TUBBE, war die wesentlich ältere Cousine von John’s Urgoßvater August TUBBE. Und dessen Mutter war eine Justina TUBBE, geb. HEIN, die 1815 den LudEwig Tubbe  geheiratet  hatte,( den Bruder von Wilhelmines Vater )..

Konnte es stimmen, dass ihre Kinder so weit auseinander geboren waren ? Sie war 20 Jahre alt bei Ludwig und schon 47 bei August - in 27 Jahren hatte sie 9 Kinder geboren !

Das war das erste, was mich als Frau an Justina zu interessieren begann. Sie hatte den Mut  mit 60 Jahren auszuwandern, mit ihrem ältesten Sohn, dem Ludwig Tubbe, (40) und ihrem Jüngsten, dem August, der erst 14 Jahre alt war.

Uns packte der Forschertrieb, tagelang..

Als wir schließlich alle Tubbes kannten,  kauften wir eine Ansichtskarte, kramten unseren dünnsten Stift und unser bestes Englisch heraus und schrieben :

„Dear Mr. Tubbe !“........wussten wir denn, ob er überhaupt noch Interesse daran hatte ?  Soll er sich mal melden, wenn er was wissen will, dachten wir. Ein bisschen neugierig konnten wir ihn ja schon machen.

„Wir haben alle  Informationen. Keine Sorge, wir haben keinerlei finanzielle Interessen...“ 

Wir steckten die Karte ein und verlebten noch ein paar Ferientage zwar außerhalb des Kirchenbüros, aber mit einer riesigen Packpapierrolle, auf der wir versuchten, den ganzen Verwandtschaftsstamm, einschließlich der GEISTLICHs bis zurück zum Anfang der Kirchenbücher 1690 graphisch darzustellen. Wer das mal versucht hat, weiß, dass das gar nicht so einfach ist.

Kaum waren wir wieder zu Hause,  da klingelte am Sonntag-Vormittag um 11 Uhr das Telefon. Anruf aus Texas ! Ein vollkommen aufgelöster und begeisterter Mister John  TUBBE, der sich allerdings „Tabby“ aussprach, wollte alles, alles, alles wissen. "Family in Germany...that's what I longed for all my life!"......wir sprachen in Englisch bestimmt eine halbe Stunde ! Man muss sich das mal vorstellen: Es war dort morgens um 4 Uhr ! Sie waren nach einer Party so lange aufgeblieben, um zu "ordentlicher" Zeit anrufen zu können.

 

Was soll ich erzählen : Wir schickten ihnen den Stammbaum und schrieben unzählige Briefe hin und her und Sarah Tubbe, Johns Frau, war eine fantastische Mitforscherin auf amerikanischer Seite, die uns begeistert mit Berichten und Daten versorgte ohne müde zu werden.

Aber alle Daten aus Kirchenbüchern können nur das Gerippe der Familienforschung sein, nun brauchten wir Fleisch auf die alten Knochen. Wie haben die Tubbes damals gelebt ? Warum sind sie ausgewandert ? Was haben sie erlebt ?

               Wie hat JUSTINA TUBBE  ihre Zeit mit ihren Augen gesehen......???

 

Im Heimatmuseum Oderberg fanden wir in Herrn Fleischer einen tüchtigen Helfer, der uns sehr mit Wort und Tat unterstütze. Wir erhielten die Hauskartei, die Bürgerlisten, Tipps und seine Zeitungsartikel und konnten uns revanchieren mit all den Informationen der Ortsgeschichte, die wir beim tagelangen Stöbern in den alten Oderberger Archivalien in der Potsdamer Orangerie (Brandenburgisches Landeshauptarchiv) gefunden und entziffert haben.

Jede Tubbe-Neuigkeit ging nach Texas, und sie schickte alte Testamente, Urkunden, Familiensagas und Bilder. Ein Päckchen mit Pecan-Nüssen kam zu Weihnachten, geerntet auf dem Tubbe-Grund. Ich hatte ein Tonband mit deutschen Weihnachtsliedern besungen - es war ein großartiges Miteinander und eine ungeheuer spannende Sache.  Wir merkten - wir lagen uns auch menschlich. Sarah Tubbe nahm jedes Thema auf  und fand immer die passenden Worte zur rechten Zeit.

„Laß uns nach Texas fahren...“,quengelte ich. Jürgen fand so ein Unternehmen reichlich aufwendig für 2 Wochen Osterferien - aber, wir machten es ! Wir flogen über den großen Teich.........

Sarah und John Tubbe waren gerade so, wie wir sie uns vorgestellt hatten und wir, sagten sie, seien genau so, wie sie erwartet hatten, es war wunderbar.... wir redeten  und musizierten und lachten.....

Wir trafen uns mit vielen Tubbes rundum, und alle erreichbaren Nachkömmlinge der Familie Junge waren eingeladen und kamen zum Teil von weither.

Auf der Europakarte zeigten wir allen, wo das kleine Städtchen Oderberg liegt, von dem sie so genau wissen, dass dort ihre Wurzeln sind. Wir warfen Dias von Oderberg an die Wand, „how sweet, and so old.“ Ich war „the cousin Laudi-Tubbe from Germany“, ich, die Kusine 7. Grades ! Wir fanden es lustig, uns vorzustellen, wieviel Promille Blutsverwandtschaft das noch wäre. Wir einigten uns lachend darauf : Wenn man es in Blutalkohol angäbe, wäre es noch ganz schön viel.....

John und Sarah Tubbe haben sich als Lehrer einen frühen Ruhestand gegönnt. Danach bauten sie sich hier  in Nacogdoches auf dem vom Urgroßvater August Tubbe ererbten Boden ein wunderschönes Haus. Der Bungalow liegt mitten im Hochwald auf einem kleinen Hügel und die Kolibris flattern vor den Fenstern herum. Zu Fuß geht man keine 5 Minuten durch den Wald und kommt dann an die Stelle, an der der Auswanderer  August Tubbe sein Holzhaus gebaut hatte und wohl mit seiner Mutter Justina lebte und mit seiner Maria die Kinder großzog.

Es ist ein wunderbar ruhiger friedlicher Platz, mit Blick auf die Wiesen und Bäume, der Bach dahinter und der kleine aufgestaute See. Der Pecan-Baum ist riesengroß und gibt dem Hause im Sommer Schatten. Ich habe mir ein paar Nüsse mit nach Hause genommen. Einer ist gekeimt und wächst jetzt bei mir auf dem Fensterbrett.

Der Baum unter dem schon Justina saß......

Es ist schon mächtig interessant, wenn man erkundet, wie die kleinen Leute von früher all das erlebt haben, Menschen  wie Du und Ich . Unser Schicksal verband sich mit dem von Justina und ihr Leben wurde immer plastischer.  Ihr ganzes Leben haben wir erforscht, das so ungewöhnlich vielleicht gar nicht war.

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 Das Forschen ging weiter : in Bad Freyenwalde, in Lunow, in Kremmen, in Prenzlau, in Berlin....

 ....die Weltgeschichte: - die Kultivierung des Oderbruchs - Napoleon - die 48er Revolution - das technische Zeitalter - die Weberaufstände - die Eisenbahn - der amerikanische Bürgerkrieg - in unterschiedlichsten Büchern und Ausstellungen...

...  das Ölbild des Auswandererschiffs TUISKO und dessen Gallionsfigur im Speicher des Focke-Museums in Bremen - die Zustände auf den Auswandererschiffen in Bremerhaven...

... .die Geschichte des Texasvereins in Wiesbaden und in Büchern von Zeitzeugen...

.....die Schiffspassagierlisten in der DAUSA in der Uni Oldenburg

.... Volkskunde mit Sitten und Gebräuchen in der Uni Berlin und Kiel und in Antikbuch-Läden...

.... alte Stiche und Ansichtskarten auf Flohmärkten....

.... die Gegend im Land an der Sieg mit den Familien Reider, Kolb, Seelbach und Helpenstell,

in Kirchenbüros , Archiven, Gespräche mit Einwohnern...

. ...die Suche nach den Resten der Wohnhäuser, nach Flurkarten, nach Nachkommen, nach Erinnerungen,
                      - wie gerne hätte ich ein   Barometer von Rudolf Förster !...

.....wie man ein Blockhaus baut, wie das mit den Indianern war, wie es der Familie in Texas erging

.....was alles überliefert ist....und... und...und....

 

Tatsächliche Orginale waren: Auswanderungsunterlagen, diverse Hausakten, der Bettelbrief der Frau Junge, der Prozess gegen den  Bürgermeister Sartorius, Kaufverträge, Schulvisitationen, der Fischprozess, die Sache mit den Kirchenstühlen, der Besatzung, das mit den Oderhochwassern, Steuerlisten, Bürgerzählungen, Statistiken, Bürgereide, Niederlagsgerechtigkeit, Edikte, Testamente, das Stadtbuch von Kremmen und von Oderberg, ein Hebammenlehrbuch, alte Haushaltbücher, das Poesiealbum, die Mitgliedsliste vom Gesangverein und die Statuten des Schützenvereins, Flurkarten, Akten über die Glocken, Bericht über die Verhandlung mit den Indianern,  ....u.v.a. mehr

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Einiges berichten uns Theodor Fontane und andere Verfasser in Sekundärliteratur, wie z. B. die Lunow-Geschichte, das Märchen vom Böttcher in Freyenwalde, die Zustände vor der Trockenlegung des Oderbruchs, der ‘Heilige Geist von Reetz’, die Drehorgel des Kronprinzen, die Liebesgeschichte der kleinen Wilhelmine mit dem König, die Geschichte des St. Denis, ...wie man Hunde mit Waschbären kämpfen lässt, Orginalberichte von Erlebnissen auf Segelschiffen....u.v.a.  mehr.

 

Nein, wir wissen nicht, ob Justinas Mutter ihrer Tochter wirklich ein besonders Schicksal prophezeite oder ob sich die kleinen Jungen in Wunstorf tatsächlich getroffen haben... wer Carl Arning für seine Caroline wirklich war oder warum Tine in Oderberg blieb... ob Charlotte bei der Revolution half und dann Schulden hatte....

Ganz sicher hat der Künstler Justina nicht wirklich gemalt... aber so mag sie ausgesehen haben, wenn man das Altersfoto von Charlotte auf dem Schaukelstuhl ansieht....

Die Saga lebt in Texas, dass einer der Junges zurückkehrte, um das ererbte Geld vom Bruder Bartolomäus zu holen und dass er nicht wieder nach Texas zurückkehrte... wie wir inzwischen wissen, wurde sein Land in Texas 1866 vom Bruder Fritz verkauft. 

 

Natürlich ist trotz  aller Sorgfalt einiges im Dunkeln geblieben.

Zum Beispiel war weder in den entsprechenden Zeitungen noch in Archiven zu finden, wie der Brandstiftungsprozeß und die Flucht von Frau Winter verlief. Denkbar wäre, dass die Preußen sie nach Amerika abgeschoben haben wie andere Strafgefangene manchmal auch . Was hatte sie angezündet - war es wirklich die Scheune von Tubbes ? Das Brandgeld für ihre Scheune haben Tubbes tatsächlich bis 1857 nicht bekommen. Die kleine Henriette hat wirklich ihren Auswanderungskonsens zurückgegeben, aber ob sie wirklich zu Willi wollte ?

Wie schön wäre es, über all die offenen Fragen mehr zu hören. Wenn jemand etwas weiß, möchte ich ihn bitten, sich bei mir zu melden und auch die, die über einzelnes noch mehr erfahren möchten. Es war allerdings auch nicht möglich, alles Erkundete in dieses Buch zu bringen.

 

.... ein Thema gab dem anderen die Hand - und wir verlebten jeden Urlaub im Wohnmobil als spannende Zeit zwischen Archiven, Bibliotheken, Antikbuch-Läden und in unglaublich vielen Gesprächen mit den interessantesten Menschen überall. Ach ja - einmal haben wir sogar mal die Kirchenglocke von Oderberg abgepaust, denn keiner wusste, dass es die ganz alte Glocke mit dem Namen meines Vorfahren Pinkpank war, die heute noch im Turm hängt.

 

Ich möchte hiermit allen ganz herzlich danken, mit denen wir im Laufe all unsrer Recherchen ins Gespräch gekommen sind !


 

Im Jahr 1997 waren wir gerade mal wieder in Oderberg, als das große Hochwasser das Oderbruch weltbekannt machte.

Während die Sirene des Katastrophenalarms das Schlimmste befürchten ließ, schwitzten wir, um beim Evakuieren des Heimatmuseums mitzuhelfen : nicht nur alte Bronzezeit-Urnen und Modelle und Bilder, auch alte Scherben und sämtliche Bücher und Regale der Bücherei schleppten wir mit in die erste Etage.  Die Bank, die Post, viele Wohnhäuser und Geschäfte würden innerhalb weniger Stunden wenigstens zwei  Meter unter Wasser stehen, wenn der Deich der Oder bei Hohenwutzen nicht standhielt.

Jedermann war voll Sorge, überall wurden Sandsäcke geschichtet. Jeden Abend fanden wir uns mit anderen auf dem Gaisberg ein, um von oben in der Ferne die Hubschrauber kreisen zu sehen.

Da wir innerhalb des Sperrgebiets lebten, konnten wir mit den Fahrrädern nach Hohenwutzen:

Die gesamte Bevölkerung schippte Sandsäcke, und wir beide schufteten mit. Die Sandsäcke wurden jeweils zu 40 Stück in Netzen an die direkt neben uns startenden Hubschrauber angehängt und zur gefährdeten Deichstelle geflogen. Es war ein Höllenlärm bei dem gemeinsamen Arbeiten, aber es war ein freundliches Miteinander. Es waren die Tage, wo ‘Ossis’ und ‘Wessies’ Freundschaften schlossen.

Hätte man nicht von der Gefahr gewusst - es war ein wunderschönes Bild, dieser schnellfließende breite Strom mit dem Baumgruppen darin.

Die Journalisten warteten auf dem Höhenrücken - der einstmals von der Oder umflossen wurde, und den der Alte Fritz durchstochen hatte - sie lauerten auf die Katastrophe : Beinahe hätte sie an jenem schwarzen Mittwoch stattgefunden.

Da hatte die Bundeswehr die Zivilbevölkerung abgelöst - es konnte keiner mehr helfen. Auch die kleinen Hubschrauber standen - deren Vibrationen waren zu gefährlich für den durchgeweichten Deich.

Doch plötzlich - was war los ? Alle Riesenhubschrauber starteten gleichzeitig, deshalb hörten wir die Sirene wohl nicht - der Deich war abgerutscht - höchste Gefahr ! Es war nichts mehr zu verlieren. Jetzt galt, man spürte es : Alles oder Nichts !

Die Journalisten wirbelten durcheinander, Mütter schrien : „Mein Kind, wo ist mein Kind !“. Männer riefen den Nachbarn zu : „Los haut ab - der Deich ist gebrochen !“

Einer kam mit einem Jeep : „Nein noch nicht !  Er ist nur abgerutscht !“ - „Die Soldaten kommen im Eilschritt vom Deich zurück !“ - „Sie geben den Deich bei uns auf, um Freienwalde zu retten ...“ - „Sie werden es schaffen, bestimmt...“

Sie schafften es ! Das Wunder von Hohenwutzen !

 .

In den Zeitungsberichten klang es, als wäre es das erste große Hochwasser - sie nannten es das Jahrtausend­Hochwasser.

Ob die Schreiber gar nicht wussten, wie schlimm die Hochwasser früher waren ?

...das Hochwasser 1948 zum Beispiel - als Oderberg unter Wasser stand ?

...dass das Hochwasser von 1854 viele Deichbrüche verursachte -- und der Familie Tubbe alle Wiesen versandete, sämtliches Heu vernichtete und sie sogar noch zahlen sollten und sich deshalb entschieden, nach Amerika auszuwandern ?

...was die drei Hochwasser von 1824-26 für Probleme brachten ---und der armen Witwe Junge mit den sechs unmündigen Kindern zum Schicksal wurde ?

...oder die immer wieder verheerenden Fluten von 1836 und lange davor... ?

 

 


Ich fing damit an, die Fakten aufzuschreiben, aber in meinem Kopf fing alles an zu leben. Und je mehr ich mich in Justinas Leben einfühlte, desto mehr fühlte ich mich wie sie. Ich schrieb und schrieb...

1998 verschickte ich das Manuskript an sechs Verlage, wohl wissend, wie schwer es für einen No-Name-Autor ist, einen Verlag zu finden. Aber BINGO! Der Westkreuz Verlag akzeptierte, das Manuskript auf sein finanziellen Risiko zu drucken, bestand aber leider auf einer Kürzung von 1/3 wegen des Preises. Also überarbeitete ich das Manuskript.

Mein Mann Jürgen übersetzte das Orginal-Manuskript ins Englische, das wir im Eigenverlag mit vielen Bildern , genealogischen Listen und Orginal-Papieren herstellen.

Ostern 1999 fliegen wir nach Texas, wohin wir 120 vorbestellte Exemplare mitnehmen. Sarah TUBBE hatte in  Nacogdoches/Texas eine Book Signing Party  organisiert

März 2000 : Buchvorstellung von "Justina Tubbe"durch den Westkreuz Verlag in der "Urania" in Berlin, und in Oderberg

Mai 2000: Eröffnung der EXPO 2000-Ausstellung in Bremerhaven, mit Justina als Beispielperson

2004 war ich gerade so alt wie Justina, als sie auswanderte, und ich bewarb mich für eine Segelschiff-Reise, die das ZDF als Doku-Soap veranstaltete, das Projekt "Windstärke 8". Beim Casting wollte man mich auch unbedingt haben, war unter den letzten 40 Anwärtern, aber dann wurde es doch nichts. Vielleicht gut so, denn die Reise litt unter Wind, einem schlechten Konzept und keinen guten Bedingungen.

August 2005: Eröffnung des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven, mit Kurzfilm von Fam Tubbe in Texas, und Justina als Beispielperson. Sarah Tubbe und ihr Enkel VON, ihrer Tochter Tammy Brown als Mutter des 12jährigen wurden von der Museumsleitung zur festlichen Eröffnung nach Deutschland eingeladen.

 

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